Im Parkhaus

Es passierte vor zwei Wochen. Ich war mit meinem Sohn in der Bücherei und im Parkhaus bin ich dann ein bisschen wütend geworden. Auslöser war folgender:

 

Mein Auto stand in einer Parklücke einer langen Parkreihe. Es war tatsächlich kein freier Parkplatz mehr da. Jedenfalls nicht auf meiner Seite. Schon beim Betreten des relativ engen Parkhauses hatte ich gesehen, dass genau gegenüber von meinem PKW gleich drei freie Parkplätze vorhanden waren. 

Wie dem auch sei. Als ich gerade die Bücher in unser Auto gelegt hatte und meinem Sohn beim Einsteigen half (es war offensichtlich, dass wir gingen und nicht kamen), fuhr ein weiteres Auto in das Parkhaus herein. Es fuhr an uns vorbei, denn auf unserer Seite war ja alles vollgeparkt. Auf der anderen Seite fuhr das Auto dann gefühlt an 10 leeren Stellplätzen vorbei und stellte sich dann genau vor meinen PKW. Da kam Frust auf, denn zuvor war meine Gedankenkette in etwa so verlaufen:

Das Kind schnell ins Auto setzen, selbst anschnallen und Motor einschalten. Gang rein, Hände an das Lenkrad und schwups geradeaus hinausgefahren. (Ich freue mich wirklich ständig über so Kleinigkeiten! Es sind schließlich die kleinen Dinge im Leben, die uns alle glücklich machen.)

Ich selbst hätte den linken oder den rechten freien Parkplatz daneben gewählt. Weil ich gerne nett bin. Weil der andere Autofahrer – der ja im Begriff war zu fahren – dann einfach aus der Parklücke hätte fahren können. Warum war die andere Autofahrerin nicht nett zu mir? Ich empfand das als unnötig gemein und frech. Und diese Wut fühlte ich nur, weil ich eben viel zu oft von mir selbst auf andere schließe und dann enttäuscht bin, wenn sie anders handeln als ich es täte.

 
Verärgert schaute ich also der Fahrerin beim Aussteigen zu und wartete auf einen Blickkontakt und auf irgendeine Art von Entschuldigung. Denn ich hätte – sehr wahrscheinlich – spätestens da gemerkt, dass ich mein Fahrzeug netter Weise auch eins weiter rechts oder links hätte abstellen können. Mit einem entschuldigendem Lächeln hätte ich dann signalisiert, dass es mir leid tat. Doch es kam zu keinem Blickkontakt. Ich wurde ignoriert! Ganz so, als wüsste sie, was sie da eben getan hatte und was ich davon hielt. Wahrscheinlicher ist natürlich, dass sie sich absolut nichts dabei gedacht hatte. Noch viel wahrscheinlicher ist sogar, dass sie sich selbst darüber freute, dass rechts und links keine Autos gestanden haben, weil sie so besser hatte einparken können. (Hatte ich erwähnt, dass das Parkhaus ziemlich eng ist?) Aber das ist mir seinerzeit nicht eingefallen, erst jetzt im Nachhinein. Ich war damals einfach zu wütend.

Jetzt, zwei Wochen später kann ich über die Situtation an sich und auch über mich lachen. Nichts desto trotz würde ich mir wünschen, dass jeder ein bisschen mehr an den anderen denkt. Egal ob hochsensibel oder nicht hochsensibel. Eben einfach nur so.

 

In diesem Sinne,

Melanie

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *