„Hochsensible Mütter“ von Brigitte Schorr

Unser Sohn, ein absolutes Wunschkind auf das wir sehr lange warten mussten, wurde im September 2013 geboren. Meine Schwangerschaft verlief ohne Komplikationen und war vom Anfang bis zum Ende eine einmalig schöne Zeit! Ich habe jeden einzelnen Tag genossen. 

Auf die Geburt folgte eine extreme Hormon- und Situationsumstellung. Ich erinnere mich noch genau an einen Besuch meiner Hebamme, als unser Sohn 2 Monate alt war. Wie ein Häufchen Elend saß ich auf der Couch, das Kind im Arm, völlig übermüdet, erschöpft und weinend. Zuvor hatten wir ein Gespräch über die Themen Stillen und Schlafrituale geführt. Als ich meine Tränen wegwischte sagte sie zu mir: „Mensch, Melanie. Da bist du aber gerade noch so an einer Wochenbettdepression vorbei gerutscht!“ Und während sie das zu mir sagte, legte sie mir einen Arm auf die Schulter.

Vorbeigerutscht! Heute kann und muss ich über diese Aussage lachen! Ich war nicht daran vorbeigerutscht, so schön es auch gewesen wäre. Ich quälte mich von Tag zu Tag. Eigentlich hätte es die schönste Zeit in meinem Leben sein sollen, doch das Gegenteil war der Fall. Ich war von der dunklen Wolke namens Wochenbettdepression umhüllt. Niemand sah mich und half mir. Ich fühlte mich nicht nur allein, ich war es. Besonders die ersten sechs Lebensmonate meines Sohnes waren für mich die anstrengendsten meines Lebens. Ohne Übertreibung. 

Hätte ich 2013 schon über meine Hochsensibilität bescheid gewusst, dann wäre natürlich alles genau so auf mich eingeprasselt, wie es damals nun einmal geschehen ist, aber ich hätte einen anderen Blickwinkel gehabt! Die Hormonumstellung von schwanger auf nicht schwanger und stillen, die neue Situation mit Baby, kaum noch Zeit für mich selbst zu haben, die aus- und unausgesprochenen Vorwürfe der anderen („Wir sehen den Kleinen ja nie!“, „Freu dich doch! Endlich hast du dein Wunschkind!“), der Schlafentzug, die Ängste und Selbstvorwürfe, mein schlechtes Gewissen gegenüber meinem Kind, weil ich nicht die Mutter war, die immer alles im Griff hatte. Es war ein Graus.

Der Haushalt blieb liegen, ich sah meine beste Freundin kaum noch und mit am schlimmsten war der direkte Vergleich mit anderen Müttern, die offensichtlich überhaupt  keine Probleme gehabt hatten, sich in ihre Mutterrolle hinein zu finden. Bei denen klappte alles wie am Schnürchen. Ich wollte auch so sein – übrigens ein häufiges Bedürfnis von HSPs. (HSPs wollen oft auch normal fühlen, aber dieser Versuch des „Anpassens“ ist von Anfang an zum Scheitern verurteilt, weil HSP nicht normal wahrnehmen können.) Ich konnte mir noch so viel Mühe geben, wie ich wollte. Ich schaffte es nicht, alles so zu wuppen wie die anderen und dabei auch noch glücklich zu sein.

So krass sich das anhört, so krass war die Situation auch für mich. Was würde ich dafür gegeben, schon damals von der Hochsensibilität gewusst zu haben! Und genau deswegen möchte ich dir das Buch empfehlen. Dieses Buch spricht mir aus dem Herzen und erklärt gleichzeitig so vieles, was ich  mir selbst nicht erklären konnte. Meiner Meinung nach ein Muss für alle HSP, die bald Mutter werden oder es schon sind.


Autor: Brigitte Schorr
ISBN-10: 3775154418
ISBN-13: 978-3775154413
Preis (Taschenbuch): 15,95 €

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